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Husemann, K-H. - Belakhin, A. [B02]
Kreisliga 2008/2009, 26.04.2009
[Kommentar: A. Belakhin]
1

Dies war die letzte Begegnung in der Kreisliga 2008/09. Für die Mannschaften ging es um nichts mehr, doch ich wollte meine gute Saisonbilanz (ich hatte zu dem Zeitpunk 6,5 Punkt aus 7 Partien erzielt) trotz schwarzer Steine weiter ausbauen. 1.e4 Nf6 2.Nc3 d5 Es sind natürlich auch andere Zuge möglich. 2.. e5 durfte am stärksten sein und 2... d6 mit dem Übergang in die Pirc-Verteidigung eignet sich besser zum Spiel auf Gewinn. Auch 2... c5 oder 2. .. e6 sind sicherlich spielbar, doch mit dem Textzug habe ich die meiste Erfahrung. 3.e5 Ne4 [ 3...Nfd7 ist populärer, doch muss man dann mit 4.e6!? rechnen, was Weis für den geopferten Bauern interessante Angriffsmöglichkeiten gibt.] 4.Nxe4 [ Interessanter ist 4.Nce2!? mit der Drohung den schwarzen Springer einzukesseln, doch auf dem Amateurniveau wird so sehr selten gespielt. Aber auch nach der Partiefortsetzung kann Weis auf einen kleinen Vorteil hoffen.] 4...dxe4 5.d4 exd3 6.Bxd3 Qd5?! Der Damenausflug erweist sich letztendlich als verfrüht, aber wahrend der Partie erschien mir der Zug durchaus spielbar, denn er gibt Schwarz die Möglichkeit, den Druck auf den e4-Bauern aufzubauen. 7.Nf3 Nc6?! [ 7...Bg4 wäre konsequenter gewesen. Jetzt hat Weiss Zeit die schwarze Dame zurück zu drängen und kann die Zeit nutzen, um unangenehmen Druck auf die schwarze Stellung aufzubauen.] 8.c4 Qd8 9.h3!? Jetzt bekommt Schwarz Schwierigkeiten mit der Entwicklung seines weißfeldrigen Läufers. 9...e6 [ 9...Nb4 lost nicht alle Probleme von Schwarz, aber wahrscheinlich hatte ich das versuchen sollen. Allerdings hatte mein Gegner mit 10.Qa4+ c6 11.Bxh7 Nxa2 12.Rxa2 Rxh7 13.Qb3 fortsetzen können und Weis steht zweifelsohne besser. Er kann nach der Rochade seine Turme auf der a-Linie verdoppeln. Schwarz fehlen gute Felder für seine Läufer, die kurze Rochade ist nicht mehr möglich und auf dem Damenflügel wäre der schwarze Monarch angesichts der offenen a-Linie nicht wirklich in Sicherheit.] 10.0-0 Be7 11.b3?! Von b2 starrt der Läufer den eigenen Bauern auf e5 an, weshalb das Fianchetto hier nicht gut ist. Aber natürlich steht Weis auch nach diesem Zug immer noch besser. 11...b6?! [ Ich sah einfach nichts besseres. Die kurze Rochade erschien mir zu riskant, solange Weis über seinen weißfeldrigen Läufer verfügte und so unter Umstanden Druck auf die Rochadestellung aufbauen konnte. Richtig wäre aber gewesen mittels 11...f5!? um Gegenspiel zu kämpfen. Jetzt kann Weis in aller Ruhe die d-Linie besetzen und auch die Schwächung des c6-Punktes macht sich bald bemerkbar.] 12.Bb2 Bb7 13.Qe2 Nb4 14.Be4 Bxe4 15.Qxe4 Den Läuferabtausch habe ich als einen kleine Erfolg empfunden: Jetzt wird sich der schwarze Monarch auf dem Königsflügel relativ sicher fühlen. Doch dies hat seinen Preis. 15...0-0 16.Rfd1 Qc8 17.a3 Na6 18.Nd4! Das Eintreffen des weißen Springers auf c6 im Zusammenspiel mit der Besetzung der offenen d-Linie stellt Schwarz an den Rand einer Niederlage. 18...Nc5 19.Qf3 [ Weis kann einfach in Ruhe weiter den Druck aufbauen und braucht sich nicht auf Varianten wie 19.Nc6 Nxe4 20.Nxe7+ Kh8 21.Nxc8 Raxc8 einzulassen. Weis fehlt hier nämlich ein Tempo, um entscheidend auf die siebte Reihe einzudringen: 22.f3 Nc5 23.b4 Na4 24.Bc1 Kg8 und Schwarz kann mit Optimismus in die Zukunft schauen, zumal sein Springer dem weisen Läufer, der durch den eigenen Bauern auf e5 eingeschränkt wird, mit der Zeit überlegen werden konnte.] 19...Re8 [ Damentausch wurde Schwarz sicherlich nutzen, doch verliert das sofortige 19...Qb7 auf der Stelle: 20.Nc6 Rfe8 21.b4! und der Springer darf nicht weg, denn nach 21...Na4 22.Nxe7+ verliert Schwarz die Dame.] 20.Nc6 Nb7 21.Rd3 Nc5 22.Rd4 f5!? Besser spät als nie! Mir wurde klar, dass ich mich schleunigst um Gegenspiel bemühen soll. Infrage kam außerdem 22... a5, doch ich befürchtete, dass dies zu langsam sein konnte. [ Außerdem wäre nach 22...a5 23.Rf4! sehr stark gewesen. Es gibt keinen Weg den f7-Bazern zu verteidigen. Insofern war der Partiezug praktisch erzwungen.] 23.Rad1 [ 23.exf6 Bxf6 24.Rd2 e5 25.Qd5+ Qe6 wäre weniger stark gewesen, obwohl Weiß auch hier dank des schwachen e-Bauern bessere Chancen behalten durfte.] 23...Qb7 24.b4 Ne4 25.Nxe7+ [ 25.b5 ist schwacher als der Textzug. Zwar verliert Weis nach 25...Bc5 26.R4d2 nicht die Qualität: 26...Nxd2 27.Ne7+ Bxe7 28.Qxb7 Nxc4 obwohl auch hier noch nicht alles klar wäre. Doch konnte Schwarz mit beispielsweise 26... a6 eine Stellung mit beiderseitigen Chancen erlangen, allerdings ohne komplett auszugleichen.] 25...Rxe7 26.Rd8+ Re8 [ Natürlich nicht 26...Rxd8 27.Rxd8+ Kf7 28.Qh5+ g6 29.Qxh7# ] 27.R8d7 Dies ist sicherlich starker als die Turme zu tauschen. Die schwarze Stellung bleibt kritisch. Allerdings hatte ich nicht mehr viel Zeit auf der Uhr und dies schien meinen Gegner, der keine derartigen Probleme hatte, etwas nervös zu machen 27...Qc6? Ein Zeitnotzug und bereits der entscheidende Fehler. 28.Qh5! Rf8!? [ Streng genommen verliert dieser Zug noch schneller als das laut Fritz das stärkste" 28...Kh8 29.f3 Ng3 30.Qg5 Ne2+ 31.Kf2 Rg8 32.Kxe2 Allerdings ist der Gewinnweg nicht so trivial wie nach 28... Kh8 und ich muss zugeben, ihn wahrend der Partie nicht gesehen zu haben. Allerdings hatte ich auch keine Gelegenheit danach zu suchen, denn trotz reichlich Bedenkzeit spielte mein Gegner sehr schnell] 29.Re7?! [ obwohl er mit 29.b5! auf der Stelle hatte gewinnen können, weil 29...Qxc4 30.Rxg7+ Kxg7 31.Rd7+ Rf7 32.Rxf7+ Kg8 33.Qxh7# zum Matt fuhrt.] 29...Rae8 Der einzige Zug, aber ausreichend, um den Widerstand fortzusetzen. Ich hatte den Eindruck, dass mein Gegner bereits mit der Aufgabe rechnete und diese Antwort ihn unangenehm überraschte. Die psychologische Initiative war von nun an auf meiner Seite. 30.Rdd7? [ Dies vergibt den Vorteil endgültig. Nach 30.Rxe8 Qxe8 31.Qxe8 Rxe8 32.Rd7 Rc8 33.h4 Kf8 34.g4 musste Schwarz unangenehmes Endspiel verteidigen.; Zur gleichen Stellung konnte auch 30.Qh4 Rxe7 31.Qxe7 Re8 32.Qd7 Qxd7 33.Rxd7 fuhren. Jedenfalls sind diese Zuge starker als die Partiefortsetzung.] 30...Rxe7 31.Rxe7 Qxc4 32.Qd1! [ Nur so kann Weis das Gleichgewicht halten. Ich hatte vor allem mit 32.f3 gerechnet, wonach 32...Qe2! sehr stark wäre. 33.Bc1 (noch am Besten) 33...Qe1+ 34.Kh2 Qg3+ 35.Kg1 Nc3 36.Qg5 Qxe5 und mit zwei Mehrbauern musste Schwarz gewinnen, obwohl der ausgezeichnet platzierte weiße Turm dem Anziehenden gewisse Gegenchancen gibt.] 32...Qc6 33.f3 Nc5?! [ Objektiv betrachtet verdient dieses Manöver lediglich einen Fragezeichen, doch hatte er meinen Gegner anscheinend endgültig seiner Ruhe beraubt, sodass er nicht nur diesen Fehler unbestraft ließ, sondern kurz darauf sogar noch mal daneben griff. Mir wurde ziemlich schnell klar, was ich angerichtet hatte, doch Caissa war an diesem Tag eindeutig auf meiner Seite! Stattdessen führte 33...Ng3 nach beispielsweise 34.Kh2 f4 35.Qb3 Re8 36.Rxe8+ Qxe8 37.Qc4 Qf7 zum Ausgleich. Es wird schwer sein, den schwarzen Springer zurück ins Spiel zu bringen, ohne den Mehrbauern wieder einzubüßen.] 34.Kh2? Und wieder kam die Antwort des Anziehenden prompt. [ 34.bxc5 Qxc5+ geht natürlich nicht, weil der Turm auf e7 hangen wurde.; Doch mit 34.Qc1! hatte Weis den Springer und die Partie gewinnen können.; Dagegen wäre 34.Qc2 weniger gut wegen 34...Rd8! und 35.bxc5? scheitert an 35...Kf8 mit Turmfang. Man kann sich davon überzeugen, dass Weis nach 32. Dc2 keine Möglichkeit hatte, aus der Fesselung Kapital zu schlagen.] 34...Nb7 35.Rd7?! [ Wieder ungenau gespielt. Fritz favorisiert 35.Qb3 Rf7 ( 35...Nd8 36.Qd3 gibt Weis leichte Initiative.) 36.Qxe6 Qxe6 37.Rxe6 und bewertet die Stellung als komplett ausgeglichen, obwohl ich wegen des weißen Freibauern und der Damenflügelmajorität lieber mit weißen Steinen spielen wurde] 35...Re8!? [ stellt eine kleine Falle auf, aber objektiv durfte 35...Nd6 36.Re7 Nc4 37.Qd4 a5 starker sein. Ich spurte allerdings, dass mein Gegner den Faden verloren hatte und wollte sein taktisches Vermögen noch mal auf die Probe stellen.] 36.Bc1? [ Fritz schlagt hier einen sehr eleganten Weg zum Remis vor: 36.b5! Qxb5 37.Rxc7 Qxb2 38.Qd7 Qxe5+ 39.f4! Qxf4+ 40.Kh1 und wegen der Doppeldrohung Dxg7# und De8# muss Schwarz Dauerschach geben. Der Partiezug verliert auf der Stelle.] 36...Nd6! Nun ist es überraschend Schwarz, der gewinnt! Weis hat keine Kompensation fur die Qualität. 37.Rxc7 Qxc7 38.exd6 Qd7 39.Bg5 Kf7 40.Bf4 e5! Sollte sich der weiße Läufer auf e5 einnisten, wurde dies die Gewinnführung nicht unerheblich erschweren. Deswegen hatte ich auch mit nur wenigen Sekunden auf der Uhr keine Bedenken, diesen Zug auszuführen. 41.Qd5+ Kf6 42.Bd2 Re6 43.Bc3 Qxd6 [ Natürlich nicht 43...Rxd6? 44.Bxe5+ ] 44.Qa8 Qc6 45.Qf8+ Kg6 46.Be1 Re8! Entgegen dem ersten Eindruck gewinnt dies nicht die Dame. Weis kann 47. b5 spielen, doch nach Txf8 49. bxc6 Tc8 steht schwarzem Sieg nichts mehr im Wege. 0-1



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